Der Dackel bei Brehm - DTK - Gruppe Lüneburg

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Der Dackel bei Brehm

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DER DACKEL BEI BREHM

Der Dackel – mutig aber ungezogen von Alfred E. BREHM


Sprechen wir einmal über den Dackel. Er ist aufs Jagen erpicht wie kaum ein anderer Hund und könnte zur Verfolgung jeder Wildart verwendet werden, besäße er nicht die Unart, auf seinen Herrn wenig oder gar nicht zu hören.

Alle Dackel haben eine sehr feine Spürnase, ein außerordentlich gutes Gehör und dazu Mut und Ausdauer. Sie gehen selbst auf Wildschweine tolldreist los. Vor einem wütenden Eber können sie sich hervorragend schützen, denn dieser kann einen Dackel wegen seines niedrigen Körperbaues ohnehin nicht so leicht fassen wie einen größeren Hund.

Dackel sind klug, gelehrig, treu, munter, wachsam und angenehm. Aber sie lassen sich von Fremden schwer zu Freunden gewinnen. Gegen andere Hunde benehmen sie sich äußerst zänkisch und kampflustig und streiten fast mit jedem, der sich ihnen naht. Selbst mit größeren Hunden, welche ihnen eine Niederlage in Aussicht stellen, nehmen sie es auf.

Bei der Jagd hat man seine liebe Not mit ihnen. Ein Dackel nimmt die Verfolgung des Wildes stets mit unglaublicher Gier auf und begibt sich in die ärgsten Dickichte, egal aus welcher Baumart sie bestehen mögen. Er findet – dank seiner vortrefflichen Sinne – auch bald das Wild auf, dann aber vergisst er alles. Mag er auch früher noch so viel Prügel wegen seines Ungehorsames bekommen haben, gleichviel – sein Herr mag pfeifen, rufen oder nach ihm suchen – es hilft nichts. Solange er das Wild vor Augen hat oder dessen Fährte verfolgt, geht er seinen eigenen Weg mit einer Willkür, welche bei Hunden geradezu beispiellos ist. Stundenlang folgt er dem aufgescheuchten Hasen, stundenlang scharrt und gräbt er an einem Bau, in welchen sich ein Kaninchen geflüchtet hat. Unermüdlich jagt er hinter einem Reh drein und vergisst dabei völlig Raum und Zeit.

Ermüdet er, so legt er sich hin, ruht aus und setzt dann seine Jagd fort. Erwischt er ein Wild, z. B. ein Kaninchen, so schneidet er es an, das heißt, er beißt es tot und reißt es auf und frisst im günstigsten Falle die Eingeweide. Wenn er aber sehr hungrig ist, frisst er auch das ganze Tier auf. Er weiß, dass er dafür bestraft wird. Er versteht genau, dass er Unrecht tut. Doch das ist ihm gleichgültig. Die Jagdbegierde überwindet alle Furcht vor Strafe. Aus diesen Gründen ist der Dackel für gewöhnlich nur zu einer Jagdart zu gebrauchen, nämlich, unterirdisch wohnende Tiere aus ihren Höhlen zu treiben.

Schon sein niedriger Bau, seine krumm gebogenen Beine und die kräftigen Pfoten mir den scharfen Krallen deuten darauf hin, dass er zum Graben und zum Befahren von Bauen außerordentlich geeignet ist. Sein Mut, seine Stärke und seine Ausdauer sicher ihm bei solchen Jagden den besten Erfolg. Vom Dachs oder vom Fuchs wird der Dackel oft heftig gebissen. Das stört ihn aber wenig. Er ist viel zu mutig, als dass er dergleichen ruhmvolle, im Kampfe erworbene Wunden beachten würde.

Man muss es selbst gesehen haben, mit welcher Begierde er solche unterirdischen Jagden betreibt, um dem – trotz mancher ärgerlichen Eigenschaften – liebenswürdigen Gesellen zu Herzen zugetan zu sein. Welche Ungeduld, wenn er nicht gleich einschlüpfen darf? Welcher Jammer, wenn er zusehen muss, dass ein anderer bevorzugt und in den Bau gelassen wird! Am ganzen Leibe zitternd vor Jagdbegier, winselt er kläglich, aber leise und verhalten, und verschwendet an seinen Herrn bittende Blicke, um den gestrengen Gebieter zu erweichen, dass er ihm gestatte, wenigstens nachzusehen, ob der verhasste Feind in seinem Bau anwesend ist oder nicht.

Ist er dann endlich am Ziel seiner Wünsche, so kriecht er eilig in den Bau und arbeitet mit Bellen und mit Kratzen, dass ihm der Atem zu vergehen droht. Das glatte, schöne Fell bestäubt und eingesandet, Augen, Nasenlöcher und Lippen mit Schmutzrändern umgeben, die Zunge schlaff – so erscheint er wieder vor dem Bau, um frische Luft zu schöpfen. Aber nur für Augenblicke, flugs geht es von Neuem in die Röhre.

Hat er sicht endlich bis zum Dachs oder zu dem Fuchs hindurchgearbeitet, so gibt es für diese kaum noch eine Verteidigung. Dem ungestümen Anprall des Dackels, seiner Beharrlichkeit und seinem Kampfsmut widersteht auf die Dauer weder Grimbart, der Dachs, noch Reineke, der Fuchs. Heraus ans Tageslicht müssen sie beide.
 
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